NR ZDZA
AU Maier,C.M.
TI Wirkung eines synthetisch hergestellten Pheromonanalogs (PAP) auf das Wohlbefinden von Mastschweinen beim Transport zum Schlachthof
QU Vet. med. Diss. LMU München, 2005
PT Dissertation
AB
Trotz zahlreicher Versuche die Belastungen während des Transportes von Schlachtschweinen zu reduzieren, liegen die Verluste auf Grund des Transportstresses in der EU bei 0,03 bis 0,5% und in Deutschland bei 0,4% verstorbener Tiere sowie bei einer PSE-Rate von 10 bis 20 %. Natürlicherweise wird von der Muttersau über Drüsen der Gesäugeleiste ein Pheromon sezerniert, welches einen beruhigenden und stressreduzierenden Effekt auf Ferkel aber auch adulte Tiere hat. In dieser Placebo kontrollierten Doppel-Blind-Studie sollte eine mögliche stress- und aggressionsreduzierende Wirkung des synthetisch hergestellten "porcine appeasing pheromone (PAP)" (SSNA Sanofi Sante Nutrition Animale) bei Schlachtschweinen während des Transportes sowie dadurch bedingt eine mögliche Verbesserung der Fleischqualität geprüft werden. Die Beobachtungen erfolgten an 11 Gruppen von jeweils 24 Schweinen (n=264 Schweine der Rasse PixDL) mit einem Körpergewicht von 102 ± 10,6 kg. Jede Gruppe wurde in einem Tiertransporter auf jeweils der gleichen Route mit dem gleichen Fahrer für ca. 40 bis 45 Minuten vom Mäster zum Schlachthof transportiert. Vor und nach dem Transport wurden verschiedene Parameter erhoben. Für den Versuch erhielten 5 Gruppen (n=120 Tiere) vor dem Transport 6 ml des PAP's als Spray auf die Nackenhaut und 6 Gruppen (n=144 Tiere) erhielten an der gleichen Stelle ein Placebo. Am lebenden Tier wurde Cortisol im Speichel bei 8 Tieren/Gruppe bestimmt (1. Basalwert beim Mäster, 2. nach dem Transport, 3. 30 Minuten nach Ankunft im Schlachthof in der Wartebucht). Weiterhin erfolgten Verhaltensbeobachtungen mittels Video in der Wartebucht für 25 Minuten (scan-sampling alle 30 sec), es wurde die Herzfrequenz mittels Polar(r) Sport Tester bei 8 Tieren/Gruppe gemessen und die Körperoberflächentemperatur mittels Infrarot-Thermometrie sowie das Körpergewicht bestimmt. Post mortem wurde der pH1 und pH24, die Leitfähigkeit im Schinken und im Kotelett 24 h nach der Schlachtung bestimmt und der Schlachtkörper auf Verletzungen auf Grund von Auseinandersetzungen untersucht. Zusätzlich wurden außerhalb und im Transporter Luftfeuchte und Umgebungstemperatur bestimmt. Die Ergebnisse weisen auf eine deutliche stressor- bzw. transportinduzierte Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA) bei allen Tieren. Im Speichel von allen Schweinen ist ein eindeutiger Anstieg der Cortisolkonzentration nach dem Transport im Vergleich zum Basalwert messbar, wobei die mit dem Pheromon behandelten Tiere eine signifikant niedrigere Cortisolkonzentration (p=0,02) im Speichel aufwiesen, im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Tieren (Placebo 22,55 ± 6,4 nmol/l, Pheromon 19,15 ± 7,26 nmol/l). Die Auswertung der Herzfrequenzmessungen jedoch ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den zwei Versuchsgruppen. Die höchsten Werte konnten beim Verladen gemessen werden (170-173 S/min.), anschließend ging die Frequenz allmählich zurück bis sie im zweiten Abschnitt des Wartestallaufenthaltes durchschnittlich einen Wert von 118-120 S/min. erreichte. Die hohen Werte lassen auf eine starke Belastung der Tiere schliessen. Die Erhebung der Hauttemperatur am Ohrgrund ergab ebenfalls keinen Unterschied zwischen der Kontrollgruppe und der PAP-Gruppe. Die Ausgangstemperatur war zwar von der Umgebungstemperatur und somit vom Wetter abhängig, dennoch blieb der Anstieg der Temperatur beim Transport bei kalter sowie warmer Witterung nahezu gleich (4,5 ± 2,5 ° an kalten und 4,6 ± 1,9 ° an warmen Tagen). Auch bei den Parametern Gewichtsverlust und Verhalten konnte kein Unterschied zwischen den PAP- und Kontrollgruppen festgestellt werden. An den Schlachtkörpern waren nur wenige leichte Verletzungen zu erkennen, die sich auf beide Gruppen gleich verteilten. Dies kann darauf zurückgeführt werden, daß die Tiere buchtenweise, ohne Vermischen der Gruppen transportiert wurden. Hingegen kann bei den Fleischqualitätsmerkmalen ein vermutlicher Einfluss der PAP-Applikation festgestellt werden. Der pH1 im M. longissimus dorsi der Pheromon-Tiere ist 45 Minuten nach der Schlachtung signifikant höher (p<0,01; Placebo pH1=6,13 ± 0,22; Pheromon pH1=6,26 ± 0,29) sowie die Leitfähigkeit im M. longissimus dorsi 24 h post mortem signifikant niedriger (p<0,01; Placebo LF=7,22 ± 2,39 mS/cm; Pheromon LF=6,32 ± 1,83 mS/cm). Auch die Bildung von Qualitätsklassen anhand der Fleischbeschaffenheitsmerkmale deuten auf eine Verbesserung der Fleischqualität durch die Applikation von PAP. Bei den Placebogruppen konnte ein prozentual höherer Anteil von Schlachtkörpern in den Klassen "PSE-Verdacht" und "DFDVerdacht" ermittelt werden. Gleichermassen gab es einen höheren Schlachtkörperanteil in den Klassen "sehr gut" und "gut" bei der PAP-Gruppe. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das "porcine appeasing pheromone" den physiologischen und körperlichen Status von Schweinen während des Transportes im Sinne einer Stressreduktion beeinflusst. Dieser stressreduziernde Effekt ist an den signifikant niedrigeren Cortisolkonzentrationen im Speichel der PAP-Tiere nach dem Transport erkennbar. Ob PAP auch einen beruhigenden Effekt hat, ist an Hand vorliegender Ergebnisse eher auszuschliessen. Weiterhin führt die stressreduzierende Wirkung des "porcine appeasing pheromone" zu einer reduzierten Glycogenolyse im Muskel und damit einer verminderten Muskelsäuerung, welches sich in dem signifikant höheren pH1 und
der signifikant niedrigeren Leitfähigkeit im M. longissimus dorsi ausdrückt. Die Anwendung von PAP ist an Hand vorliegender Ergebnisse geeignet das Wohlbefinden der Schweine während des Transportes zu verbessern, den Stress zu reduzieren und zusätzlich dadurch die Fleischqualität der Schlachtkörper zu verbessern. In weiteren Untersuchungen sollten Modifikationen hinsichtlich der Applikationsdauer und der Applikationsorte (Wartebucht, Raumspray) untersucht werden.
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