NR ZDTZ

AU König,H.E.

TI Anatomie und Entwicklung der Blutgefässe in der Schädelhöhle der Hauswiederkäuer (Rind, Schaf und Ziege)

QU Ferdinand Enke Verlag, POB 1304, 7000 Stuttgart, 1979

PT Buch

AB Mit Hilfe von Kunststoff- und Tusche-Injektionen wurde die Entwicklung, das grobmakroskopische Verhalten und die feinere Angioarchitektonik der Blutgefäße in der Schädelhöhle der Hauswiederkäuer untersucht.
1. Entwicklung
In den ersten 9 Wochen der Embryonalentwicklung findet auch beim Rind die für Säugetiere allgemeingültige Bildung des Gefäßsystems aus dem vorgegebenen Kapillarnetz statt. Die wesentlichen artspezifischen Umgestaltungen der Gefäße der Schädelhöhle erfolgen in den sich anschließenden Entwicklungsstadien: Beim Embryo mit 40 mm SSL kommt es zur ringförmigen Verschmelzung der drei, beidseitig angelegten, Venenplexus der Gehirnanlage. Durch eine von rostral nach kaudal fortschreitende, seitliche Einengung dieses Venenringes, wobei die vorderen zwei Drittel median verschmelzen, bildet sich das dorsale Sinussystem. Dieser Vorgang ist bei einer SSL von 260 mm abgeschlossen.
Schon bei 75 mm SSL kann korrosionstechnisch eine rostrale Wundernetzanlage an der A. carotis interna nachgewiesen werden. Ihr Anschluß an die A. maxillaris über die Reteäste findet im 190 mm SSL-Stadium statt. Die Verbindung des rostralen mit dem kaudalen Wundernetz der A. vertebralis, das bei einer SSL von 130 mm nachweisbar ist, wird beim Fetus von 190-200 mm SSL hergestellt. In diesem Entwicklungsstadium kann auch das noch flächenhaft ausgebreitete Rete tentorium cerebelli dargestellt werden. Dieses findet seinen Entwicklungsabschluß bei einer SSL von 310 mm mit typischen Schlingenbildungen und gleichzeitiger Verbindung zur A. meningea rostralis.
Die geradlinig verlaufenden Äste der Aa. cerebrales werden beim 200 mm SSL-Fetus durch die Ausbildung der Hirnwindungen zur Schlingenbildung gezwungen.
Die Einengung des Lumens der A. carotis interna, die medial der Bulla tympanica angelagert ist, beginnt beim Rinderfetus Im SSL-StadIum von 550 mm. Sie reduziert sich bis zur Geburt auf 1/3 ihres Durchmessers.
2. Vaskularisation der Meningen
Die Meningen der Hauswiederkäuer werden von den Mertigealarterien, der A. condylaris, dem R. menirtgeus der A. temporalis superficialis, den Rr. meningei des Rete mirabile extradurale rostrale und dem R. meningeus des proximalen Reteastes, versorgt. Ihre Verzweigungen verlaufen meanderförmig.
Beim Rind und Schaf wird ein Rete tentorlum cerebelll beschrieben.
Im Bereich der Dura mater besteht eine spezifische arteriovenöse Koppelung zwischen den Sinus venosi und den Wundernetzen, die als blutflußfördernde Einrichtung gedeutet wird. Den Wundernetzen kommt zusätzlich noch die Aufgabe zu, den ungleichmäßigen pulsbedingten Blutstrom in einen für das Gehirn notwendigen qleichmäßigen umzuwandeln.
Im Circulus arteriosus des Rindes und des Schafes werden Arterieninseln beschrieben.
3. Zuleitende Arterien
Durch die Verbindung des Rete mirabile epidurale caudale mit dem Rete mirabile epidurale rostrale findet beim Rind keine Trennung in selbständige Versorgungsgebiete der A. vertebralis und der A. carotis cerebralis statt. Bei den kleinen Wiederkäuern hingegen wird ein kaudaler Teil der Medulla oblongata lediglich von der A. vertebralis versorgt. Der Blutstrom in der A. basilaris cerebri wird von rostral nach kaudal verlaufend angenommen, da ihr Durchmesser in derselben Richtung abnimmt.
Die Versorgungsgebiete und die Angioarchitektonik der einzelnen Gehirnarterien unterscheiden sich bei den drei Wiederkäuerarten im wesentlichen nicht voneinander.
4. Feinere Gefäßversorgung
In der weißen Substanz des ZNS ist die Gefäßdichte deutlich niedriger als in der grauen Substanz. In den Kerngebieten ist sie besonders hoch.
An Querschnitten der Medulla oblongata, der Pons und des Mesencephalon wird eine radiäre Anordnung der Blutgefäße angetroffen.
Hypothalamus und Thalamus werden von Ästen des Circulus arteriosus versorgt.
Die Basalganglien werden von Rr. centarlis der A. ethmoidea interne, A. cerebri media und A. chorioidea rostralis vaskularisiert.
Die Arigioarchitektonik der Rinde des Telencephalon läßt sich in ein einheitliches Schema einordnen: Aus dem arteriellen Netz der Piaarterien entspringen die Aa. corticales. Aus diesen entstehen die "Dolcharterien" von denen die langen in die weiße Substanz eindringen, während die kurzen sich in der grauen Substanz verzweigen. Die langen Dolcharterien der Gyruskuppe dringen, ohne in ihrem Verlauf abgelenkt zu werden, in die weiße Substanz ein; die der Sulcuswand und die des Sulcusgrundes werden in der weißen Substanz bogenförmig abgelenkt und es entstehen die spiegelbildlich zueinander angeordneten "Sensenarterien". Die Blutversorgung der Hippokampusformation geschieht Über die A. cerebri caudalis und A. chorioidea rostralis. Aus diesen Hauptgefäßen entspringen "Rechen-", "Faßreifen-" und "Dolcharterien".
Die langen Dolcharterien der Kleinhirnrlnde verhalten sich im Bereich der Kleinhirnhemisphären wie die der Großhirnrinde. Im Vermisbereich werden sie fast ausnahmslos zu Sensenarterien.
Die feineren Venen im ZNS verlaufen parallel mit den Arterien und sind zahlenmäßig in der Minderheit. Sie können im Tusche injizierten Aufhellungspräparat an ihrem weiten Lumen, dem geradlinigen Verlauf und ihren kurzen Ästen erkannt werden.

AD Dr. med. vet., Dr. med. vet. habil. Horst Erich König, Institut für Tieranatomie, Lehrstuhl für Makroskopische Anatomie der Tiere, Fachbereich Tiermedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München

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