NR ZDTT

AU Fehrenberg,C.

TI Untersuchungen zur Anwendung einer synchronen Gehirn-Herz-Durchströmung bei der elektrischen Betäubung von Schlachtschweinen mit besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Fleischqualität

QU Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin, vorgelegt von Claudia Fehrenberg, Tierärztin aus Hildesheim, Berlin 1991

PT Dissertation
AB Die Anforderungen an eine effektive Schlachttierbetäubung unterliegen gleichermaßen fleischhygienischen Gesichtspunkten und Tierschutzaspekten. Zu niedrige Betäubungsspannungen und die daraus resultierenden Stromstärken können kein effektive und tierschutzgerechte Betäubung gewährleisten, hohe Betäubungsspannungen zu Schlachtkörperschäden und Fleischqualitätsmängeln führen.
Mit der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, inwieweit die synchrone Durchströmung von Herz und Gehirn (cardiac arrest stunning) mit niedrigen Spannungen (95 V und 126 V) eine tierschutzgerechte und unter fleischhygienischen Gesichtspunkten akzeptable Betäubungsmethode darstellt.
56 Schlachtschweine wurden in zwei Gruppen mit 95 V und 126 V fünf Sekunden lang elektrisch durchströmt, wobei der Elektrodenansatz an der Stirn und am Brustbein der Tiere erfolgte. Zum Vergleich wurde eine dritte Gruppe von 25 Tieren mit 250 V fünf Sekunden und dem Elektrodenansatz Ohr-Auge betäubt. Alle Schweine wurden routinemäßig geschlachtet. Die Tiere wurden auf die Betäubungswirkung hin beobachtet, die Schlachtkörper auf verschiedene Fleischqualitätsparameter untersucht.
Von 30 Tieren der synchronen Gehirn-Herz-Durchströmung wurde unmittelbar nach Betäubungsende eine Elektrokardiogramm aufgezeichnet. Bei 28 Tieren wurde mit der Durchströmung Herzkammerflimmern ausgelöst.
Die Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen:
1. Durch eine sachgemäß ausgeführte synchrone Gehirn-Herz-Durchströmung wird mit der Bewußtlosigkeit einhergehend auch Herzkammerflimmern ausgelöst. Dies ist im Prinzip auch mit Spannungen unter 250 Volt möglich.
2. Als Nachweis für eine ausreichende Betäubungs wirkung nach synchroner Gehirn-Herz-Durchströmung gilt die unmittelbar nach dem Ende der Durchströmung festzustellende weite, rand- und reaktionsiose Pupille.
3. Nach einer kurzen Phase mit Laufbewegungen der Gliedmaßen liegen die Tiere entspannt und ruhig.
4. Weitere Manipulationen am Tier, wie sie durch das Anschlingen und Aufhängen entstehen, führen zu keinen Reaktionen oder Abwehrbewegungen.
5. Die Bewußtlosigkeit bleibt bis zum Entblutungsstich erhalten.
Bei den untersuchten Fleischqualitätsparamete ergaben sich Vorteile der Gehirn-Herz-Durchströmung bei der Entwicklung des Säuerungsverlaufes und bei der Leitfähigkeit in der Schinkenmuskulatur. Es deutet sich die Tendenz eines geringeren PSE-Anteils an. Andererseits führte diese Betäubungsart zu erhöhten Anteilen von Schlachtkörpern mit höheren pH-Werten, die nahe an die DFD-Grenze herankommen. Wird die Ermittlung des auspressbaren Gewebewassers als weiteres Beurteilungskriterium für OFO-Qualität hinzugezogen, kann dieser hohe Anteil an OFD nicht bestätigt werden. Ob bei der synchronen Gehirn-Herz-Durchströmung eine Tendenz zu höheren pH-Werten bestätigt werden kann, müßte anhand weiterer Untersuchungen geklärt werden.
Die Messung der Leitfähigkeit erwies sich als praktikable Methode zur Erfassung von Fleischqualitätsparametern. Bis zur Festsetzung von verbindlichen Grenzwerten sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, dabei ist eine Vereinheitlichung des Meßzeitpunktes anzustreben.

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