NR ZDAZ
AU Meyer-Mickeleit,R.W.
TI Die Dämmerattacken als charakteristischer Anfallstyp der temporalen Epilepsie (psychomotorische Anfälle, Äquivalente, Automatismen)
QU Nervenarzt 1953; 24: 331-346
PT journal article
AB 1.) Dämmerattacken sind kurze, anfallsartige Bewußtseinsveränderungen, die meist von motorischen Automatismen, vegetativen Symptomen, sinnlosem Handeln und Sprechen begleitet sind. Dämmerattacken sind fokale Anfälle der temporalen Epilepsie. 2.) Die Symptomatik wird an 72 selbst untersuchten Fällen dargestellt, die unter insgesamt 127 temporalen Epilepsien nach der Vollständigkeit der Anfallsbeobachtung ausgewählt wurden. 3.) Nach Art und Schwere der Erscheinungen lassen sich 3 Gruppen von Dämmerattacken unterscheiden. Diese 3 Anfallsformen können bei demselben Patienten nebeneinander vorkommen. I. Leichte, erscheinungsarme Dämmerattacken können absenceähnlich aussehen. Sie sind aber im Gegensatz zu den Absencen oft von abnormen Erlebnissen oder Halluzinationen begleitet. II. Motorisch-koordinierte Dämmerattacken zeigen vor allem Automatismen (Schmatzen, Schlucken, Nesteln, zielloses Greifen, Umherlaufen). III. Tonische Dämmerattacken gehen mit stärkeren tonischen Deviationen und Störungen der Körperhaltung bis zum Hinfallen einher. 4.) Psychische Symptomatologie. Die Bewußtseinsstörungen der Dämmerattacken reichen von leichten traumhaften Veränderungen mit Entfremdungs- und Angsterlebnissen bis zur vollständigen Bewußtlosigkeit und Amnesie. Als häufigste positive Symptome werden Halluzinationen und deja-vu-Erlebnisse geschildert. Die Halluzinationen sind meistens optisch, doch kommen akustische Halluzinationen mit Stimmenhören vor. Geruchshalluzinationen sind häufiger in der Aura als während der Dämmerattacke. 5.) Von etwa der Hälfte unserer Patienten werden im Beginn der Dämmerattacken Auraphänomene geschildert, am häufigsten ist die viscerale Aura. 6.) Neben Dämmerattacken hatten über die Hälfte der Fälle auch große tonisch-klonische Krampfanfälle. Selten sind Kombinationen mit optischen oder motorischen Herdanfällen, nur in 3 Fällen kamen auch langdauernde Dämmerzustände vor. 1/4 der Kranken hatte allein Dämmerattacken ohne sonstige Anfälle. 7.) Ätiologisch handelt es sich überwiegend um symptomatische Epilepsien: 26 nach Traumen, 7 nach Geburtsschäden und schweren Erkrankungen im 1. Lebensjahr, 4 bei Tumoren, 9 nach Meningitis, Insolation, Fleckfieber oder Encephalitis und 2 bei einem Gefäßprozeß. 9 hatten nach dem Befund und im Verlauf eine symptomatische Epilepsie,ohne dass die Ursache sicher zu bestimmen war. Nur bei 15 Patienten muss man eine genuine Epilepsie annehmen, 4 von ihnen hatten eine familiäre Epilepsiebelastung. 8.) Dämmerattacken bevorzugen das mittlere Lebensalter, 58 unserer Patienten (80%) hatten ein Alter zwiwchen 21 und 50 Jahren. Im mittleren oder höheren Lebensalter zum erstenmal auftretende "Absencen" sind fast immer bei genauerer Untersuchung als Dämmerattacken zu klassifizieren. 9.) Die EEG-Veränderungen bei Dämmerattacken werden beschrieben. Im Anfallsintervall zeigten 85% Veränderungen im Wach-EEG. Herdveränderungen oder einen Krampffocus in einer oder beiden Temporalregionen hatten 76% der Fälle. 10.) Die Differentialdiagnose gegenüber epileptischen Absencen, psychogenen Anfällen und schizophrenen Halluzinationen wird besprochen. 11.) Therapeutisch sind Dämmerattacken oft schwer zu beeinflussen. Hydantoin-Mischpräparate sind wirksamer als Luminal. Tridion kann die Dämmerattacken verschlimmern. Nur bei Fällen mit einseitigem temporalen Focus im EEG,die durch Medikamente nicht zu bessern sind, ist operative Behandlung angezeigt.
SP englisch
Autorenindex - authors index
Startseite Betäubung - home page Stunning
Copyright Ingrid Schütt-Abraham