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AU Männl,M.

TI Betäubung und Entblutung von Schwein und Rind

QU Schlachten von Schwein und Rind, Kulmbacher Reihe Band 13, 1994

PT Proceedings

AB Die Betäubung von Schlachttieren stellt in erster Linie eine Tierschutzmaßnahme dar. Ziel der Betäubung ist es, das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen der Schlachttiere auszuschalten bis der Tod durch Blutentzug eingetreten ist. Dadurch werden den Tieren mit dem Blutentzug verbunden Schmerzen und Leiden erspart. Des weiteren werden mit dem Entbluten verbundene Gefahrenquellen für das Personal ausgeschaltet. Zur Betäubung von Schweinen werden Elektro- und CO2-Betäubung verwendet. Bei der Elektrobetäubung wird durch elektrischen Strom ein epileptiformer Anfall ausgelöst. Dies geht bei korrekter Anwendung einher mit einem sofortigen "Bewußtseinsverlust". Stromstärke, Spannung und Betäubungszeit müssen aufeinander abgestimmt sein. Die Vorteile der Elektrobetäubung liegen in der sofort eintretenden Betäubungswirkung und in den niedrigen Betriebskosten. Die Fleischqualität ist bei korrekter Anwendung durchaus akzeptabel. Die CO2-Betäubung basiert auf der narkotischen Wirkung des Kohlendioxids. Dieses Gas ist ein physiologisches Stoffwechselprodukt und bildet keine Rückstände im Schlachttierkörper. Werden Arbeitskonzentrationen von mind. 80% eingehalten, so wird innerhalb von 10 sec, ohne dass Schmerzen, Leiden oder Angstzustände erkennbar sind, eine ausreichend tiefe Betäubungswirkung erzielt. Dadurch wird ein vollkommen gefahrloses Entbluten ermöglicht. Nachteilig wirkt sich die längere Betäubungszeit aus. Die Vorteile hinsichtlich der Fleischqualität (kaum Knochenbrüche und Blutungen), bedingt durch das ruhige, entspannte Liegen der Tiere, werden durch die technisch bedingt verzögerte Entblutung z.T. aufgehoben (PSE-Anteil unverändert). Zur Rinderbetäubung wird in Europa fast ausschließlich die Bolzenschussbetäubung verwendet. Das Grundprinzip ist die mechanische Zerstörung wichtiger Bestandteile des Gehirns und dadurch ein augenblicklicher "Bewußtseinsverlust". Bei korrekter Anwendung, also Einhaltung der Vorschriften und Empfehlungen hinsichtlich Aufbewahrung der Munition, Treibladungsstärke, Ansatz der Betäubungsgeräte, Wartung und Pflege der Apparate, ist eine ausreichende Betäubungswirkung zu erzielen. Alle drei Betäubungsarten stellen Kompromisse dar und sind somit nicht frei von Nachteilen. Zur Vermeidung von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, daraus resultierender schlechter Betäubungsergebnisse und Fleischqualitätsmängel, müssen die Arbeitsanleitungen eingehalten sowie die Geräte ständig überprüft und gewartet werden. Eine Kontrolle der Betäubung durch Messung technischer Parameter, verbunden mit optischen und akustischen Signalen, ist im Sinne des Tierschutzes und der Erzeugung von Qualitätsfleisch unumgänglich. Nach verbesserten Verfahren zur Schlachttierbetäubung wird weiterhin gesucht. Bei den Entbluteverfahren hat sich gezeigt, dass die Liegend-Entblutung wesentliche Vorteile hinsichtlich Tierschutz, Arbeitsschutz und Fleischqualität bringt. Die betäubten Tiere werden sicher gestochen, ein gefahrloses Arbeiten wird ermöglicht. Bei einem Vergleich der Betäubungs- und Entbluteverfahren dürfen nicht nur die verfahrensspezifischen Aspekte Beachtung finden. Nicht das einzelne Betäubungs- oder Entbluteverfahren allein kann Fehler in Bezug auf die Fleischqualität, die vor der Betäubung oder nach dem Entbluten begangen wurden, kompensieren.

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