NR ZDAH

AU Löscher,W.

TI Neurophysiologische und neurochemische Grundlagen der Wirkung von Antiepileptika

QU Fortschr. Neurol. Psychiat. 1987; 55: 145-157

PT journal article

AB Es wird ein Überblick über neurophysiologische und neurochemische Befunde zum Wirkungsmechanismus klinisch gebräuchlicher Antiepileptika gegeben. Vor allem zwei Mechanismen scheinen bedeutsam zu sein: (1) eine Herabsetzung der Membranübererregbarkeit durch einen direkten Angriff an Ionenkanälen und (2) Veränderungen der synaptischen Transmission durch einen Eingriff in Neurotransmittersysteme; hierbei scheint vor allem der inhibitorische Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) eine Rolle zu spielen. Unter Berücksichtigung dieser Mechanismen lassen sich Antiepileptika verschiedenen Gruppen zuordnen. Phenytoin und Carbamazepin führen in antikonvulsiv wirksamen Konzentrationen zu einer Membranstabilisierung und damit zu einer Hemmung von Membranübererregungen. Dieser Wirkung scheint eine Blockierung der NA+-Permeabilität zugrunde zu liegen. Phenobarbital und Benzodiazepine verstärken in antikonvulsiv wirksamen Konzentrationen die GABAerge Inhibition durch einen direkten Angriff am GABA-Rezeptor-Chloridionophor-Komplex der postsynaptischen neuronalen Membran. Außerdem führt Phenobarbital zu einer Reduzierung der postsynaptischen Wirkung des exzitatorischen Neurotransmitters Glutaminsäure. In höheren Konzentrationen bewirken auch Barbiturate und Benzodiazepine direkte Veränderungen der Ionenleitfähigkeit, was vor allem für die sedativ/hypnotischen Wirkungen dieser Stoffe eine Rolle zu spielen scheint. Primidon scheint bei Dauerbehandlung in erster Linie über seinen aktiven Metaboliten Phenobarbital zu wirken. Valproinsäure führt sowohl zu einer Membranstabilisierung als auch zu einer Verstärkung der GABAergen Transmission, wobei sowohl präsynaptische wie postsynaptische Angriffspunkte diskutiert werden. Dagegen führt Ethosuximid in antikonvulsiv wirksamen Konzentrationen zu keiner Veränderung von Membranerregbarkeit und synaptischer Transmission. Es ist zu erwarten, dass eine Aufklärung der Wirkungsmechanismen klinisch wirksamer Antiepileptika zu einer gezielteren Suche nach neuen Wirkstoffen führt.

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