NR ZDAF
AU Lindtner,M.; Brouschek,R.
TI Klinische Erfahrungen mit der Kurzreizmethode in der Elektrokrampftherapie
QU Nervenarzt 1953; 24: 163-164
PT journal article
AB Um die klinische Brauchbarkeit des neuerdings von der Firma Siemens-Reiniger-Werke in den Handel gebrachten "Siemens-Konvulsator III nach v. Braunmühl" zu prüfen, wurden Vergleichsuntersuchungen durchgeführt. Das neue Krampfgerät arbeitet nach dem Prinzip der sogenannten Kurzreizmethode, die seit etwa 1940 durch v. Braunmühl in Deutschland, durch Friedman, Wilcox und Liberson in Amerika als Modifikation der "klassischen" Cerletti-Bini-Methode entwickelt worden ist. Die Ergebnisse der Vergleichsuntersuchungen lassen sich kurz so zusammenfassen, dass die Kurzreizmethode hinsichtlich des Anspringens und der Intensität des Krampfes, der Möglichkeit freier Dosierung, der Einschränkung der notwendigen Gesamtstrommenge, der mnestischen Störungen (insbesondere solcher der Wiedererinnerung) und der eigentlich schockorganischen Folgen bei etwa gleichem Behandlungserfolg entschieden schonender und gefahrloser ist als die "klassische" Methode. Die Verringerung mnestischer Störungen und die Verkürzung der krampfbedingten Unansprechbarkeit tritt interessanterweise bei den jungen und alten Jahrgängen deutlicher in Erscheinung als bei den mittleren Jahrgängen. Soweit sich heute feststellen lässt,sind die zur ausreichenden Behandlung notwendigen Krampfzahlen bei den beiden Methoden nicht wesentlich verschieden. Wenn auf diese Weise mit geringeren schockamnestischen und schockorganischen Störungen, etwa der gleiche Heilerfolg erzielt werden kann, dann bestätigt sich die von amerikanischen Verfechtern der Kurzreizmethode und zuletzt von Meyer ausdrücklich vertretene Ansicht, dass den mnestischen Störungen im Verlauf der Elektrokrampftherapie keine wesentliche Bedeutung für den Heilerfolg zukommt. Die Frage, in wieweit dies auch für die als "organisches Schocksymdrom" zusammengefassten, allgemein-hirnorganischen Begleiterscheinungen gehäufter Elektrokrämpfe zutrifft, kann auf Grund unserer Untersuchungen noch nicht eindeutig beantwortet werden. Dagegen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Kurzreizmethode durch Schonung der Gedächtnisfunktionen und durch Verringerung grober hirnorganischer Krampffolgen die Zugänglichkeit der behandelten Kranken für psychotherapeutische Beeinflussungen, insbesondere solcher arbeits- und gruppentherapeutischer Art, wesentlich verbessert. Abgesehen von der Schonung des Muskel-Skelettsystems dürft darin der größte Vorteil der nach der Kurzreizmethode arbeitenden Krampfgeräte liegen.
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