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AU Käufer,C.

TI Die Bestimmung des Todes bei irreversiblem Verlust der Hirnfunktionen

QU Theoretische und klinische Medizin in Einzeldarstellungen, Band 54 (Hrg. H. Schaefer, Heidelberg), Dr. Alfred Hüthig Verlag, Heidelberg, 1971

PT Monographie

AB Gegenüber bisher vorliegenden Untersuchungen, die sich vorwiegend mit dem Endzustand des Hirntodes beschäftigen und eine Diagnostik auf dem Boden hirnelektrischer Befunde anstreben, haben wir zur Erfassung von Verlaufsprofilen von 1966 bis 1969 in einer breit angelegten Studie an über 200 bewußtseinsgestörten Patienten der Chirurgischen Klinik Bonn klnisch-neurologische, blutchemische, hirnelektrische und angiographische Untersuchungen vorgenommen. Befunde an 34 Kranken mit dem Bild eines vollständgen Hirnfunktionsverlustes unter Einschaltung umfangreicher diagnostischer Parameter bilden den Kern der Abhandlung. Die Diskussion um die Bestimmung des zerebralen Todes wurde eröffnet, wenn alle obligaten klinischen Zeichen des Hirntodes vorlagen und das Hirnstrombild isoelektrisch war. Am Ende der durchgeführten Beobachtungen und der klinischen, hirnelektrischen, angiographischen und metabolischen Befunde läßt sich zusammenfassend folgendes feststellen: 1. Das Kernproblem des Hirnfunktionsverlustes liegt einmal im nachweislichen Ausfall der persönlichkeitsbestimmenden Hirnbereiche, also des Kortex, und im Fehlen nachgeordneter, modulierender und vegetativer Steuerungsvorgänge im Stammhirn, zum anderen im Nachweis, dass die Art der Schädigung nach klinischer Erfahrung und wissenschaftlicher Erkenntnis eine Funktionswiederherstellung ausschließen lassdn, also in der sicheren Irreversibilität und damit in der Ermittlung der Zeitspanne, jenseits derer eine auch partielle Erholung ausgeschlossen ist. 2. Die Diagnose des Hirntodes kann klinisch nicht mit ausreichender Sicherheit festgestellt werden. Zwar lässt das klinische Syndrom bereits weitgehende diagnostische Schlussfolgerungen zu, eine endgültige Bestätigung, die vor allen für die Belange vorzunehmender Organtransplantation unerläßlich ist, gelingt nur über den Weg zusätzlicher Hilfsuntersuchungen. Hier stellt das EEG einen wichtigen Parameter dar. Das bioelektrische Verhalten erlaubt jedoch keine allgemeinverbindlichen Rückschlüsse, da gerade nach anoxischen Hirnschädigungen funktionelle Restitutionen aus hirnelektrischer Stille möglich sind. 3. Bei der Diagnose des Hirntodes kommt dem angiographisch nachweisbaren zerebralen Zirkulationsstillstand der entscheidende Aussagewert zu. Bisher wurde ein solcher Kreislaufstop der intrakraniellen Blutgefäße, der als Folge eines gesteigerten zerebrovaskulären Widerstandes anzusehen ist, nur nach unmittelbar zerebralen Noxen, nämlich bei posttraumatischen Hirnschwellungen, Hirnblutungen oder intrakraniellen raumfordernden Prozessen beobachtet. Zu ganz analogen Bildern kommt es nach unseren Erfahrungen auch bei Hirntod nach Hypoxydosen, also extrazerebralen allgemeinen Schädigungen. Es findet sich hier ebenfalls ein Zirkulationsstillstand mit Prädilektionsstellen, die in der Arteria carotis interna, am Syphon, in der Arteria vertebralis am atlantooccipitalen Übergang zu lokalisieren sind, Neuropathologisch wurde in jedem Fall ein Hirnoedem nachgewiesen. 4. Bei einem irreversiblen Verlust der Hirnfunktionen lässt6 sich eine extreme Abnahme der arterio-hirnvenösen Sauerstoffdifferenz nachweisen. Der Wert beträgt im Durchschnitt 1.67 Vol%, das sind rund 25% des Normalwertes von 6.5 Vol%. Infolge des konsekutiven Hirnoedemes und des resultierenden zerebralen Zirkulationsstillstandes lassen sich bei eingetretenem Hirntod reelle Daten der AVD-O2 nicht mehr gewinnen, so dass diese Methode keine weiteren Aussagen über den Zustand des Gehirns gestattet. Es kommt in dieser Phase vielmehr zu einem neuerlichen Anstieg der AVD-O2. Der Wert der Untersuchungenliegt darin, dass damit die Zeitwahl für die diagnostisch entscheidene zerebrale Angiographie erleichtert wird. Der im Verlauf kurvenmäßig erfassbare Wiederanstieg der AVD-O2 kann, wie aus den eigenen Untersuchungen hervorgeht, als Indikator für den eingetretenen zerebralen Zirkulationsstillstand dienen, der sich nun angiographisch objektivieren und dokumentieren lässt. 5. Die genannten Kriterien gestatten eine frühzeitige Todeszeitbestimmung und ermöglichen damit Organtransplantationen unter günstigeren Aspekten bei gleichzeitig erweitertem Spenderkreis.

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